heimatsofern. Eine fotografische Betrachtung

Datum: 03.05.2006 - 03.06.2006

Eröffnung:

Die Bilder der Projektgruppe umkreisen den Begriff Heimat gleichsam von allen Seiten: von oben senken sich Orbs über die Landschaft, von unten wandert der Blick auf die vierspurige Schneise durch das Tal, seitwärts stehen Dörfer an der Straße, denen das Attribut heimatlich abhanden gekommen ist, innen gibt es noch Stoffreste und Erinnerungsfetzen zum Festhalten. Menschen von heute bevölkern die Foto-Räume.

Die 8 Fotografinnen und Fotografen aus Nord- und Südtirol "stellen sich dem Dilemma, ganz eigenartige Zugänge zum Alpenraum zu finden, der zugleich ihre Heimat ist. Im Bewusstsein einer geografisch-biografischen Bindung nähern sie sich den Zeichen der Entfremdung, den Wunden der Landschaft und der Menschen, die sich heute diesen Orten einschreiben und damit sich selbst." (Karin Dalla Torre)
Transit und Architektur, Generationen, Immigration, Interkulturalität, Idylle und zerstörte Kultur, Globalisierung und Entfremdung, Gentechnik und Monokultur - ein Themenkatalog, der zum Moralisieren verführen könnte - erlangt hingegen im Fotoprojekt heimatsofern eine poetische Stärke mit eigenwilligen Sujets und wird unerwartet zur exotischen Spurensuche.

Im Heimatland ist alles vertraut. Die Räume, die wir betreten, erkennen wir wieder: am Stoff der Vorhänge, am Polstersessel vor dem Fernseher, am Teppichmuster, am Stiegengeländer, am Balkon, am Fenstergesims, an der Gardine. Der Blick nach draußen streift geometrische Weinberganlagen, verhangene Obstplantagen, endet an verbauten Berghängen, Grenzwällen, stößt an Geländer von Autobahnen und Schnellstraßen, an Autokolonnen, Verbotsschilder und Parkplätzen. Alles ist vertraut. Kleinräumig und eng ist die Welt, die wir gestalten, bebauen und verbauen. Alles ist fremd. Wo unser Alltag stattfindet, gleichen sich die Orte: Straßendörfer, Betonzäune, Dachmarken, Qualitätssiegel. Unbedeutsam manchmal und von geringer Schönheit. Heimat? Überall in Mitteleuropa. „Heute droht die Lebenswelt so gleichförmig und gesichtslos zu werden, dass die Entfremdung in ihr selbst erfahrbar und aus ihr selbst erklärbar wird.“ (Bernhard Schlink)
Sammelstück Heimat, so fern, so nah.

Die Fotografinnen und Fotografen: Leonhard Angerer, Hanna Battisti, Andreas Bertagnoll, Heinz Jörgen Hafele, Martin Pardatscher, Fritz Friedrich Pichler, Andrea Maria Trompedeller, Alexandra von Hellberg.
Beschreibung