N a c h t _ N o t t e _ 3
Donatella Simonetti (I)
Andrea Maria Trompedeller (I)
Heinz Jörgen Hafele (A)
Markus Oberndorfer (A)
Fotografie & photofilm
Als dritte der jährlich fortlaufenden Serie von Fotoausstellungen, welche das Genre der Nachtfotografie thematisiert, eröffnet die Galerie foto-forum am 24. November 2009 um 19 Uhr die Ausstellung „Nacht“, bei der die fotografische Arbeiten von vier Fotografen/Innen präsentiert werden: Donatella Simonetti (I), Heinz Jörgen Hafele (A), Andrea Maria Trompedeller (I) und Markus Oberndorfer (A). Zur dieser dritten Ausgabe der Ausstellungsreihe erscheint wiederum ein Katalog.
In der Nacht können unsere Augen wahrnehmen, was für sie am Tage unsichtbar ist. Interessanterweise scheint auch die Nacht oft noch zu hell erleuchtet, um dem Wesen der Dinge auf die Spur zu kommen. Manchmal müssen wir die Augen zu kneifen, um deutlicher sehen zu können. Das ist die besondere Faszination dieser Ausstellungsreihe. Sie versucht, das Sehvermögen zu schärfen, für jene Zeiten, in denen wir mehr benötigen, als nur unsere lichtverwöhnten Augen, um sehen zu können. Um die Aufmerksamkeit auf Dinge und Zusammenhänge zu richten, die im Scheinwerferlicht des Tages keine Chance haben, wahrgenommen zu werden. Beschaut man die vier hier versammelten Künstlerinnen und Künstler, so lässt sich bei allen Unterschieden doch eine Gemeinsamkeit feststellen. Wer nachts fotografiert, dem geht es nicht um die Dokumentation der Wirklichkeit, im Gegenteil. Die Sphären des Unscharfen, des Unentschiedenen wollen sie ausleuchten, verborgene Bilder im Zwielicht fixieren, all jene grauen Katzen einfangen, die durch die Nacht schleichen.
Das ist auch eine der Kernaussagen des dritten Teils dieser Ausstellungsreihe, die dieses Mal vier Künstlerinnen und Künstler aus Österreich und Norditalien vorstellt.
Zum Beispiel Andrea M. Trompedeller, 1963 in Tiers bei Bozen geboren. Sie zeigt in ihrer Serie Immer Nacht eine Serie von Himmelsbildern bei einsetzender Dunkelheit. Das Licht verschwindet schließlich ganz und gar. Was bleibt, ist nichts als Schwärze, sollte man meinen. Und exakt das ist es, was das Auge sieht. Und doch ist da mehr. Denn Andrea Trompedeller stellt diesen Himmelsaufnahmen zwei Porträts ihres Vaters gegenüber. Ihm ist die Bildsequenz gewidmet. Er hat sein Augenlicht verloren. „Immer Nacht“, so der Titel der Serie, zeichnet diesen Verlust mit den Mitteln der Fotografie nach.
Donatella Simonetti, vor 26 Jahren in Urbino geboren, taucht ihre Foto-Sequenz Presenza - Assenza in die Farben des inneren Sehens. Ein Gehsteig, eine Hausfassade in Mailand. Klare Linien und architektonische Strukturen, mehr nicht. Menschenleer und symmetrisch, in seiner Anordnung. Doch der Mensch ist in Wirklichkeit nicht verschwunden aus diesen Bildern. Denn das Licht, in das er seine Umgebung taucht, ist grell und künstlich. Violett, hellblau und türkis scheint es aus den Lichtöffnungen. Und der ausgeschlossene Betrachter, der von draußen das Drinnen zu ergründen versucht, fragt sich, was die Menschen da drinnen wohl sehen, in diesem grellen künstlichen Licht. Die Künstlerin zeigt einen Ausschnitt der Foto-Serie in Form von bewegten Bildern. Die Musik wurde von Omar Dodaro komponiert. Den Begleittext spricht Lorenzo Pierobon. Das Video von Olocreative farm zeigt die Dynamik der Nacht anhand eleganter Bewegungen von Lichtstreifen auf dem Asfalt.
Heinz Jörgen Hafele, 1952 in Reutte in Tirol geboren, thematisiert im Werkzyklus Metamorphosen das Wechselspiel zwischen dem Faktischen und dem Sichtbaren, zwischen dem, was nur im Licht erkennbar ist, und dem, das die Dunkelheit braucht, um gesehen zu werden, ganz explizit in seiner Arbeit. Ein schwer deutbares weißes Material zeichnet Bilder in den Raum, es „sind schwebende Gebilde, die der Dunkelheit entsteigen und im Licht blitzartig und glasklar Gestalt annehmen“, wie er es selber formuliert. „So wie sie aus dem Dunkeln aufgetaucht sind, entschweben sie allerdings sogleich wieder und mutieren im Lichtkegel zu neuen Gestalten und Formen.“ Diese Arbeiten also thematisieren die Flüchtigkeit des Erkennens in der Dunkelheit, versuchen, das Nichtgreifbare doch greifbar zu machen.
Und schließlich der 1980 in Gmunden in Oberösterreich geborene und in Wien lebende Markus Oberndorfer. Auch ihm geht es in der Foto-Serie Empire De La Lumière, inspiriert von der gleichnamigen Serie Rene Margritte's um das Zwiegespräch von Sichtbarem und Unsichtbarem. Den zB durch den Lichtkegel einer Strassenlaterne entstehenden und den in der Dunkelheit der Nacht - im diffusen und ungewissen - verschwindenden Raum und seine Atmosphäre. Der Künstler dokumentiert in einer Reihe von Fotografien und vertonten Kurzfilmen die Orte der Nacht, im Park, unter einer Brücke, im Nachtschatten einer Mauer. Nur wenige, schwach leuchtende Straßenlaternen erhellen die Szenerie. Hier versinkt eine vorher offensichtlich gewohnte Umgebung im Dunkel und ändert damit schlagartig ihre Botschaft: Jetzt plötzlich fallen die ungesehenen Stellen auf, die dem Blick bei Tageslicht keinen Anhaltspunkt lieferten. Jetzt plötzlich bleiben die Augen an einem Busch hängen, oder einem Mauervorsprung. Bei Tag hatten sie keine Bedeutung. Im Licht der Nacht treten sie um so deutlicher hervor. Die Filme "untitled_in_case_no_03 bis 06" stammen aus einer gleichnamigen undefiniert langen Serie aus Kurzfilmen zum städtischen und suburbanen Raum, seiner Architektur, Funktion und Mystik."
Das Anliegen dieser Ausstellung ist: Die Dinge im Licht der Nacht betrachten. Sie sind uns sehr viel unbekannter, als wir glauben. Und manchmal lässt uns dieses Licht deutlicher sehen, als das Tageslicht.
Nina Schröder