De Profundis

Datum: 20.02.2008 - 21.03.2008

Eröffnung: 19.02.2008 um 19.00 Uhr


vergangenheit IV oder fee,
Negativprint auf Ilfordchrome,
90x60 cm, 2006/07
Courtesy Galerie Karin Sutter


Julieta Schildknechts Photoessay "De Profundis" ist inspiriert von Oscar Wildes letztem, im Gefängnis geschriebenen Buch mit demselben Titel.
Wilde verarbeitete seine Erlebnisse aus zwei Jahren Gefängnisaufenthalt, die schweizerisch-brasilianische Fotografin erlebt in dieser autobiographischen Arbeit den eigenen Körper als Gefängnis.

Schildknecht verdichtet in dieser Arbeit zwei traumatische Erlebnisse: den Verlust einer schwierigen, gescheiterten Schwangerschaft und den Tod ihres Vaters.
Schildknecht begibt sich dabei in die Tiefen der Seele und des Unbewussten, holt persönliche Erfahrungen und Erscheinungen aus dem unbewussten Dunkel hervor und gestaltet sie intuitiv. Es ist auch eine Suche nach dem Moment, wo die Seele den Körper verlässt und sich auf Wanderschaft begibt.

Sie tut das mittels eines speziellen fotografischen Verfahrens mit Plastikkamera Mehrfachbelichtungen und Negativkopien. So entsteht ein Zyklus aus 18 dunkeltonigen Fotobildern, wenn auch düster, so doch vielschichtig und fragil.
Frauenkörper und Landschaften verflüchtigen sich, werden gegenstandslos, es entsteht ein undefinierter Raum, ein Zwischenreich zwischen Leben und Tod. Sie tastet sich mit einer zarten Bildsprache an den Schmerz heran und erzählt von einer elementaren Verletztheit.

Julieta Schildknecht gliedert diese Fotoarbeit in 5 Stationen mit Titeln wie "vergangenheit", "kreuz", "himmel auf erde" oder "limbo". Es entstehen Assoziationen zu Dantes "Divina Commedia" oder dem Kreuzgang Christis - in ihrem Schaffen spielt Religiösität überhaupt eine wichtige Rolle.