
[...] Der Fotograf Erich Dapunt ist bisher im wesentlichen mit schwarzweiß gehaltenen Bildern von Landschaften, Naturdetails oder sensiblen Stadtansichten hervorgetreten, die immer etwas Zeitloses haben. Jetzt überrascht er mit einem für ihn neuen, sehr zeitbezogenen Ansatz: mit Farbfotografien, die er in den Jahren 2005 – 2007 anlässlich dreier New York-Reisen in Manhattan gemacht hat. [...]
Die Stärke der Bilder Dapunts resultiert daraus, dass er sich nicht ganz New York vornimmt, sondern sich auf einen bestimmten Aspekt beschränkt und diesen vertieft. Hier entsteht dann der Unterschied. Was Dapunt bei seinen New York-Besuchen visuell am meisten anregte und wo er noch ein unbearbeitetes Territorium ahnte, waren die Megaplakate, wie sie nur Metropolen hervorbringen. Also nicht stattliche 3 x 6 Meter-Formate, sondern Billboards, die in der Höhe gleich über 7-8 Stockwerke gehen und 15-20 Meter breit sind. Werbungen, die sich nur große Unternehmen leisten können wie etwa Sean John oder Verizon, in Europa vielleicht weniger bekannt, in den USA Giganten. Was Dapunt interessiert, sind nun nicht die Plakate selbst, sondern die Schnittstellen zwischen diesen Riesenbildern und der Realität, die sich zu ihren Füßen oder an ihren Rändern abspielt. Dapunt setzt diese beiden Bereiche – die raffiniert konstruierten Bilder der Mode, die konsumsteuernde Lebensgefühle suggerieren, und die absolut unsensationelle Abbildung des städtischen Alltags – auf eine Weise in ein Verhältnis, die man nur als spannend bezeichnen kann. Dapunt bearbeitet die Bilder nicht über das übliche Ausmaß hinaus, er verzichtet auf Effekte, er bedient sich nicht der Möglichkeiten der digitalen Fotografie; seine Bilder sind technisch sauber und klar; in diesem Sinn sind seine Bilder vielleicht konservativ. Sie weisen in der Verwendung der Mittel und in ihrer Thematik die Einfachheit auf, die wirklich guten Arbeiten oft eigen ist. [...]
Auszüge aus: "Der coole Blick: An den Schnittstellen des Zweifels" von Gabriele Crepaz und Andreas Hapkemeyer