Die Ruinen einer modernen Villa

Datum: 15.01.2007 - 27.01.2007

Eröffnung: 15.01.2007 um 19.00 Uhr

Ruinen einer modernen VillaAus Anlass des Erscheinens der aktuellen Nummer von turrisbabel organisiert die Zeitschrift mit der Stiftung der Architektenkammer der Provinz Bozen und in Zusammenarbeit mit der Galerie Foto Forum eine Ausstellung mit Photos von Günther Wett, die eine Villa von Franz Prey zum Thema haben.

Die Villa, die Franz Prey Anfang der 70iger Jahre für die Familie Wierer in Kiens gebaut hat, existiert nicht mehr - sie wurde vor kurzem abgerissen.

Obwohl sich die neuen Eigentümer für einen Abriss entschieden haben, wollten sie in einer selten anzutreffenden Weitsicht den prunkvollen Zustand und die quasi überstürzte Aufgabe des Hauses dokumentieren.

So beauftragten sie den Innsbrucker Photographen Günther Wett, ein letztes Mal die Wohnräume zu durchstreifen, den Wintergarten zu betreten, in das Schwimmbad hinabzusteigen, sich zwischen den Küchen und Bädern zu bewegen und bis in die privatesten Räume des Hauses vorzudringen.

Das, was Günther Wett festzuhalten gelingt, ist nicht die versöhnliche Faszination einer Ruine, sondern sind die Spuren einer Verschwendung, einer spielerischen Opulenz, die leider aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Situation der Eigentümer viel zu früh verfallen sind sowie das frühzeitige und ungerechtfertigte Ende einer wertvollen Architektur, die uns auf den Photos indes noch intakt erscheint.

Das Schicksal dieses Werkes von Prey wird leider von vielen anderen zeitgenössischen Bauten in Südtirol geteilt. Insbesondere die großen Villen der 60iger und 70iger Jahre, die in keinster Weise einem offiziellen Schutz unterstellt sind, ausser der Pflege der damaligen Besitzer, haben oft nicht die erste Eigentümergeneration überlebt. Zu groß sind die Grundstücke und zu groß die Versuchung, den Gewinn aus ihnen zu maximieren.

So sind die Photographien von Günther Wett auch eine Dokumentation eines Abschnittes der Südtiroler Geschichte. Sie zeigen uns die Unternehmungslust der damaligen Wirtschaftstreibenden, ihren provokativ modernen Geschmack und die Fähigkeit ihrer Architekten, einen angemessenen Hintergrund für diesen Lebensstil zu bauen. Franz Prey ist dabei fähig, sich frei zwischen Ingenieurswesen, Architektur und Innenarchitektur zu bewegen Er kombiniert höchst rationale Elemente wie z.B. das strenge äussere konstruktive Skelett mit den kurvenreichen Formen und prächtigen Farben der inneren Wohnlandschaft. Jede Wand, jedes Objekt und jede Oberfläche werden Einrichtung, Dekoration. Natursteinwände stehen so neben Steintapeten, dass sie Zweifel über deren Stabilität aufkommen lassen.

Einige dieser Photos sind bereits in schwarz-weiß in der letzten Ausgabe von "turrisbabel", die sich mit großen Einfamilienhäusern beschäftigt, veröffentlicht worden. Sie können nun, dank einer Zusammenarbeit der Stiftung der Architektenkammer von Bozen und der Galerie fotoforum, in großem Format und vor allem in Farbe gezeigt werden. So wird allen Besuchern die Möglichkeit gegeben, gedanklich die weichen Teppiche der Villa zu betreten oder auch sich, ein letztes Mal, auf dem Bett im Schlafzimmer auszustrecken, um den zerzausten weißen Himmel darüber zu betrachten.